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Übersicht über die Geschichte

Selten findet man drei Burgen, die durch eine gemeinsame Geschichte verbunden sind, so nah beieinander wie in Idar-Oberstein, wie der Stich von Matthäus Merian aus dem Jahre 1654 zeigt.

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1075 - 1330

Bereits 1075 wurden die Herren von Stein erwähnt, die in der Burg im Loch, einer einzigartigen Höhlenburg wohnten.  Oberhalb dieser "Burg im Loch" erbauten die Herren von Oberstein die Burg Bosselstein auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felssporn. Diese Burg wurde im Jahre 1197 zum erstenmal in einer Urkunde erwähnt.1190 teilte sich das Geschlecht in zwei Linien.

  • Die Linie Eberhard stieg bald in der Kurpfalz in wichtige Ämter auf und zog sich zunehmend aus der kleinen Obersteiner Herrschaft zurück, bsi sie ihre restlichen Anteile 1435 verkaufte.
  • Hingegen betrachtete die Linie Bossel die Obersteiner Herrschaft als Machtbasis und blieb auf Burg Bosselstein. Trotzdem war ihr Niedergang nicht aufzuhalten, nachdem um 1250 die Familie von Daun, die als Ministeriale im Dienst des Stauferkönigs Fridriechs II. aus Burg Nanstein wirkte, eingeheiratet hatte.

Aus dieser Verbindung ging ein neues, sehr machtbewusstes Geschlecht hervor, das sich Daun-Oberstein nannte und die angestammten Herren von Stein (Oberstein) verdrängte.

Den Daun-Obersteinern standen nicht nur die Rechte an den Ländereien der eingesessenen Verwandschaft zu, sie wohnten sogar zusammen mit ihr auf Burg Bosselstein. In dieser Situation entzündete sich ein Streit, der sich über Generationen hinzog und in einem Mord gipfelte. Diese Tat ist der wahre Kern einer regional sehr bekannten Sage zur Erbauung der Felsenkirche. Die Burg im Loch wurde in den Jahren 1482-1484 von Wirich IV. von Daun-Oberstein zur Felsenkirche umgebaut.

Bosselstein wurde bis zum Jahre 1600 bewohnt und verfiel dann in der Folgezeit. Heute sind nur noch ein Turm und ein paar Mauern erhalten. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den Stadtteil Oberstein und auf das gegenüberliegende Waldgebiet der Winterhauch.

Mitte des 13. Jahrhunderts heiratete die Familie Daun aus der Eifel in die Familie Oberstein ein. Zunächst lebten beide Familienstämme gemeinsam auf Burg Bosselstein.

Noch vor dem Jahre 1330 errichteten dann die Daun-Obersteiner eine neue Burg auf dem Nachbarfelsen, das heutige Schloss Oberstein. Diese neue Burg erlebte ihre Blütezeit im 15. Jahrhundert und wurde von Wirich IV. zu einem wohnlichen Schloss ausgebaut, insgesamt residierten hier die Daun-Obersteiner etwa dreihundert Jahre.

1330 - 1636

Zwar brachte der Umzug auf die neue Burg eine gewisse Beruhigung im Streit zwischen den Familienzweigen, dennoch dauerte es noch ein halbes Jahrhundert, bis die Herrschaft der Daun-Obersteiner gefestigt war.

Erst dann boten sich die Voraussetzungen für Wirich IV., die herausragende Persönlichkeit der 400-jährigen Familiengeschichte sowie auch für seinen Enkel Wirich V., ihrem Geschlecht bis weit über die territorialen Grenzen hinaus Achtung zu verschaffen. Sie erweiterten ihre Besitzungen zu ihrer größten Ausdehnung in weit voneinander entfernt liegenden Regionen zu beiden Seiten des mittleren Rheines.

1546 teilte Wirich V. diese Gebiete unter seinen Söhnen auf:

  • Die Herrschaft Broich lag im Gebiet Mülheim/ Ruhr.
  • Die Herrschaft Oberstein an der Nahe am Südrand des Hunsrücks wurde 1624 nach dem Tod von Philipp Franz  von Amtleuten verwaltet.
  • Die Grafschaft Falkenstein lag am Donnersberg in der Pfalz nordöstlich des heutigen Kaiserslautern.

Neunzig Jahre hatte diese Teilung bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1636 Bestand.

Nach 1636

Philipp Franz war wahrscheinlich der letzte Daun-Obersteiner, der ständig auf dem Schloss wohnte. Danach wurde es nur noch von Amtsleuten verwaltet.

Da Philipp Franz Söhne im Dreißigjährigen Krieg den Tod fanden, fielen Schloss und Herrschaft 1636 an Wilhelm Wirich aus der Broicher Linie. Diese Wiedervereinigung aller Teilgebiete bedeutete aber keine zweite Blüte. 1659 starb Wilhelm Wirichs einziger Sohn bei einem Duell, was das Erlöschen des einst so machtbewussten Geschlechts der Daun-Obersteiner zur Folge hatte.

Durch weibliche Erbfolge fiel Schloss Oberstein an die Grafen von Leiningen-Heidesheim, in deren Familie Wilhelm Wirichs älteste Tochter eingeheiratet hatte.

Im weiteren Verlauf gelangte die Herrschaft Oberstein in den Besitz der Grafen von Limburg-Styrum, was aber für das Schloss kaum praktische Auswirkungen hatte.

Im Rahmen der Reunionskriege wurde das Schloss von den Truppen Ludwigs XIV. bis 1697 (Frieden von Ryswyk) besetzt. Ende des 18. Jahrhunderts besetzten die Revolutionstruppen von Napoleon das linke Rheinufer und versteigerten das Schloss an Familien aus Oberstein, die dort bis zum großen Brand 1855 wohnten.

Der Brand zerstörte große Teile der historischen Anlage. Die Ruine gelangte in der Folge in staatlichen Besitz, war aber dennoch in der Folgezeit von fortschreitendem Zerfall bedroht. Sie wurde von der Stadt Idar-Oberstein, die bis heute Eigentümerin des Schlosses ist, im Jahre 1988 käuflich erworben.

Der 1963 gegründete Burgenverein wurde 1998 von der Stadt mit der Pflege, der Erhaltung und dem teilweisen Wiederaufbau beauftragt.

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Die Felsenkirche

Außer der Erwähnung der "Burg im Loch" verraten die mittelalterlichen Urkunden  nichts über die Nutzung der Höhle im Bosselsteinfelsen.

Die nur 17 Monate dauernde Bauzeit der Felsenkirche von 1482-1484 unter Wirich IV. legt aber nahe, dass es sich nur um einen Umbau einer bereits vorhandenen Wehranlage handelte. Für einen Wehrbau sprechen auch die 1,90 m dicke Außenmauern mit schießschartenähnlichen Öffnungen.

Felsenkirche

 In der Felsenkirche findet man eine Reihe von Zeugnissen, die auf die Geschichte der Herren von Daun-Oberstein hinweisen.

 -   Reste der ursprünglichen Glasmalereien zeigen ein Bildnis des Erbauers Wirich IV. und das Wappen der Familie von Leiningen, dem Geschlecht seiner Ehefrau Margarete (drei silberne Adler auf blauem Grund)

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-   Im Seitenaufgang ist das Wappen der Herren von Daun-Oberstein (Schräggitter) dargestellt.

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 -  Epitaph des Philipp von Daun-Oberstein, dem Vater des Felsenkircherbauers, in voller Ritterrüstung, der 1432 seinen  Wunden erlag, die er sich beim Kampf  in Erfüllung seiner Lehenspflichten für den Lothringer Herzog zugezogen hatte. Direkt daneben ist eine kleinere Grabplatte von Philipps Ehefrau Mena, einer geborenen Gräfin von Neuenbamberg, angebracht.

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-         Das Sebastiansbild (Ausschnitt) zeigt die Familie des Herrn Sebastian von Daun-Oberstein, Graf von Falkenstein mit seiner Frau, seinen drei Söhnen und zwei Töchtern.

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-         Der letzte Herr von Oberstein, Philipp Franz, der auf dem Schloss residierte, wurde 1624 der Felsenkirche beigesetzt.

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Burg Bosselstein

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   Oberhalb der "Burg im Loch", der späteren Felsenkirche, erbauten die Herren von Oberstein um 1200 die Burg Bosselstein, in der sie mit dem später eingeheirateten Geschlecht der Daun-Obersteiner zusammenlebten.

Die Burg Bosselstein, hundert Meter über dem Flussbett der Nahe gelegen, ist ein markantes Beispiel einer Spornburg. Duch ihre Lage auf einem Bergsporn, dem äußersten Fortsatz eines Bergrückens, musste nur die Hangseite durch Verteidigungsanlagen gesichert werden, die anderen drei Seiten waren durch steile Abhänge geschützt, anders als bei der Burg Oberstein, bei der nur zwei Seiten durch Steilhänge geschützt waren.                                                  

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Schloss Oberstein

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Die Geschichte des Schlosses ist eng mit der Historie des örtlichen Adelsgeschlechtes verknüpft. Details dazu finden Sie unter diesem Link. Nach dem Auszug der Jugendherberge im Jahr 1956 setzte ein stetiger Zerfall der Ruine ein. Als auch noch die Ostmauer des Hofes insTal stürzte, versammelten sich Bürger der Stadt Idar-Oberstein, gründeten den Burgenverein und begannen mit dem Wiederaufbau. In jahrelanger Arbeit wurde der Brandschutt entfernt  und einige Räume stilgerecht wieder aufgebaut.

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In den Jahren 2008 und 2009 wurden die Süd- und Ostmauer, an denen starke Risse sichtbar wurden, durch aufwändige Maßnahmen mit einem Riesengerüst saniert und gesichert.

 In den Jahren 2013 und 2014 wurde dann ein Zinkstehfalzdach auf Schloss Oberstein aufgesetzt, um die neuen Räume gegen die Einflüsse des Wetters zu schützen. Den Baumaßnahmen waren heftige Diskussionen in der Bevölkerung und im Stadtrat vorausgegangen. Letztendlich mussten sich alle den Auflagen des Denkmalschutzes (Generaldirektion Kulturelles Erbe) beugen.

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 Nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten ist das Schloss heute ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen geworden.

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 Die Innenräume und die mit einem Glasdach geschützte Terrasse laden den Besucher zum Verweilen ein.

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Mittelalterliche Kultur

DSC00137 kompr  Wirich IV. und seine Gemahlin M.v.Leiningen

 

Im Schloss Oberstein gab es eine Bibliothek, die Wirich IV. von Daun-Oberstein (um 1415-1501) besaß. In einer Zeit, in der sich deutsche Fürsten kaum für das Sammeln von Büchern interessierten, war das etwas Besonderes. Wirich, ein gebildeter, an Literatur interessierter Humanist, regte als väterlicher Freund des Junggrafen von Manderscheid-Blankenheim diesen an, bibliophile Kunstschätze zu sammeln.

Daraus wurde die später berühmt gewordene Blankenheimer Schlossbibliothek, in welche die Obersteiner Büchersammlung später einfloss. Sie wurde zu einer der größten adeligen Büchersmmlungen im deutsch-sprachigen Raum.

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Deutsche Königswahl

Der Sohn von Wirich IV., Philipp von Daun-Oberstein, wurde 1508 Erzbischof und Kurfürst in Köln.

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 Er wurde um 1463 im Schloß Oberstein geboren und starb 1515. Er war einer der sieben Kurfürsten (drei geistliche (die Erzbischöfe von Trier, Mainz sowie Köln) und vier weltliche (die Pfalzgrafen zu Rhein, die Herzöge von Brandenburg und Sachsen sowie der König von Böhmen), die die Aufgabe hatten, den deutschen König zu wählen.

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Die Ahnenprobe Philipps II. von Daun-Oberstein

Um Kurfürst von Köln zu werden, musste Philipp II. von Daun-Oberstein eine Ahnenprobe ablegen, das heißt, er musste nachweisen, dass alle seine Ururgroßeltern von Adel waren.

Kurfürst und Erzbischof Philipp von Daun-Oberstein stiftete zwei spätgotische Kirchenfenster im nördlichen Seitenschiff des Kölner Domes. In einem sind die Familienwappen seiner Vorfahren dargestellt, zusätzlich ein Bild von ihm selbst und seinen Eltern Wirich IV. von Daun-Oberstein und Margarete von Leiningen.

Die Wappen finden Sie auch auf den Konsolsteinen im Wappensaal des Schlosses. Sie sind im „Führer durch Schloß Oberstein“ beschrieben. Dieser Führer kann in der Eingangshalle des Schlosses und in den Buchhandlungen der Stadt  erworben werden.

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Landesherr als Industrieförderer

Unter der Ägide von Philipp Franz von Daun-Oberstein, Graf von Falkenstein (1559-1624) kam es 1603 zum Bau der Auschleife, die später zur Doppelschleife wurde. Spolien, Bruchstücke von Schleifsteinen, aus dieser frühen Fabrikationsstätte sind in der nördlichen Schildmauer des Schosses eingelassen. 1609 wurde von ihm die „Zunftordnung für Achatschleifer“ erlassen.

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Blaues Blut aus Oberstein

Kaum bekannt ist die Tatsache, dass in vielen Ahnengalerien von europäischen Dynastien blaues Blut der Herren von Stein bzw. der Daun-Obersteiner vorhanden ist.

Die Ururenkelin von Wilhelm Wirich (1613-1682), Maria Luise Albertine von Leiningen-Heidesheim, war verheiratet mit dem Landgrafen Wilhelm von Hessen-Darmstadt. Drei ihrer Töchter heirateten direkt oder über ihre Nachkommen in die wichtigsten europäischen Fürstenhäuser oder Dynastien ein. Maria Luise Albertine wurde aufgrund der angeheirateten dynastischen Verwandschaft mit Recht und respektvoll als „Großmutter Europas“ bezeichnet.

Führt man diese Dynastien bzw. Königsfamilien auf - die vielen kleineren Fürstenhäuser seien hier nicht erwähnt - sind folgende ehemaligen und zum Teil noch heute regierenden Herrscherhäuser Europas auch Nachkommen der Herren von Stein und Daun-Oberstein:

Bayern, Bulgarien, England, Dänemark, Griechenland, Hannover, Luxemburg, Österreich, Preußen, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien und Württemberg.

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Wappen im Schloss

Der Wappenstein über der Eingangstür zum Gebäude zeigt die acht Wappenschilde der Urgroßeltern von Wirich IV. (um 1415-1501). Es handelt sich um eine hervorragende, spätgotische Steinmetzarbeit um 1475.

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 Im Gang zum „Eselbückdich-Turm“ befindet sich eine Barock-Steinmetzarbeit der Familie der Gräfin Elisabeth von Salm-Reifferscheid, die 1592 die Gattin von Philipp Franz von Daun-Oberstein wurde.

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 In die Wand der Eingangshalle ist das Wappen von Wilhelm Wirich (1613-1682) mit der Grafenkrone eingelassen. Dargestellt mit einer Mauerkrone ist es auch das Wappen der Stadt Mülheim/Ruhr, wo letzterer residierte.

Wappen Wilhelm Wirich

 Im Wappensaal sind die Wappen aller 16 Ururgroßeltern von Erzbischof und Kurfürst von Köln, Philipp von Daun-Oberstein (Sohn Wirichs IV.)  dargestellt, außerdem die neuzeitlichen Wappen der Stadt Idar-Oberstein und des Kreises Birkenfeld.

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